ULLAS ALLERLEI



FAMILIENFRÜHSTÜCK

Mein alter runder Tisch hat einen Durchmesser von 1.35 Metern. Er stand schon bei der Oma Weidhaas-Familie in der Ungerer Straße. Der Familiensaga nach hat schon Lenin an diesem Tisch gesessen. Es lebt keiner mehr aus der Familie, der darüber Auskunft geben könnte.

Die Tischplatte hat Dellen, Kratzer, ein kleines Brandloch, an einigen Stellen ist das Eichenfurnier beschädigt und nicht sehr professionell ausgebessert. Man sieht dem Tisch sein Alter an. Ich bekam ihn bei der Scheidung aus dem „ehelichen Hausrat“. Er ist mit mir vier Mal umgezogen und steht seit 1985 in einer 20 qm Küche, ist Mittelpunkt für mich allein, für die mich besuchende Familie, für Freunde und für Feste. Ich habe nur ein Problem mit ihm, er ist inzwischen zu klein. Wenn ich einmal im Monat zum Familienfrühstück bitte, und auch ihr aus Brescia zu Besuch in München seid, müssen sich 13 Personen um den Tisch drängeln. Wenn ich dann noch ein oder zwei Freundinnen oder Freunde dazu lade, oder vielleicht Tante Illa mit Hoda aus Kairo da ist, weiche ich auf ein Buffet aus.
Familienfrühstück © 2013 M. Stoewer

Als ich 1998 auf die Idee kam, immer am ersten Sonntag im Monat für die Familie ein Frühstück zu machen, war die Größe des Tisches noch kein Problem. Den Wunsch, den Tisch wieder ausziehbar zu schreinern,- zu Lenins Zeiten war das Vergrößern möglich – haben wir wegen der zu hohen Kosten vom Tisch gewischt. Die Aussage von einigen Freunden: „Dafür bekommst du ja einen neuen Tisch“, habe ich nicht verstanden. Es ging mir immer nur um meinen Tisch, an dem so viel verspeist, erzählt, diskutiert, geweint und gelacht wurde.

Ich dachte, dass ihr Geschwister euch gerne öfter treffen würdet, aber selten die Initiative ergreift. Also machte ich den Vorschlag: Frühstück einmal im Monat, erster Sonntag mit Absprache. Er wurde akzeptiert. Und bis heute freuen sich alle, auch die inzwischen großen Enkel, auf das Treffen mit der Familie, den gedeckten Tisch und die leckeren Speisen.

Der Zeitplan für ein Familienfrühstück sieht für mich folgendermaßen aus: einige Tage Überlegungen, ein Tag einkaufen mit schweren Belastungen des monatlichen Budgets, ein Tag Vorbereitungen bis spät in die Nacht, ein Tag Freude.

Ich gebe zu, dass ich immer übertreibe. Ich kaufe und koche zu viel.
Zu viel © 1989 M. Stoewer
Es soll doch keiner darben, und ich habe immer viele Ideen, die natürlich an diesem Sonntag ausprobiert werden müssen. Meist bekommt ihr dann Carepakete mit nach Hause.

Als Anregung für die Auswahl die Speisen vom letzten Familienfrühstück: Neben Wurst, Schinken, Käse gab es Rührei mit Bacon, Waldorfsalat, Feldsalat und Tomaten mit Mozzarella und Avocado, zwei Fischtöpfchen von der Nordsee, Schokoladenpudding, Rote Grütze, Mohnstreuselkuchen.

Hier die Ideen aus einem Jahrzehnt:

Den TISCH decke ich immer schon am Abend. Über aufwendige Dekorationen mache ich mir keine Gedanken, aber ich lege gerne auf jeden Teller ein kleines Geschenk, und wenn es nur ein Schokoladenherz ist. Auf dem Tisch tummeln sich weiße, rosa, grüne Schaumzucker-Mäuse, Gummitierchen, Jelly Beans oder Schokorosinen.

Die GETRÄNKE: Ganz wichtig ist der frisch gepresste Saft, mindestens ein Glas für jeden, aus Orangen und Grapefruit mit Banane und einem Obst der Jahreszeit, besonders lecker sind Pfirsiche. Kaffee. Tee – Earl Grey oder Grüner Tee – Natsukaori (Erdbeer-Vanille), Royal Grey (Bergamotteöl), Grenoille (Pfirsich-Vanille). Kakao – für einen Liter Milch nehme ich 3 Tl Kakaopulver, 2-3 Vanillezucker, 1 Messerspitze Zimt. Schlagsahne. Bei den Getränken kommt die Zuckerdose ins Spiel. Silvia süßt den Kakao nach und Julia braucht Zucker im Kaffee. Vor Jahren, als bei mir noch Ostereier versteckt wurden, kam Florian auf die Idee, auch in der Zuckerdose Eier zu verstecken - die kleinen bunten Zuckereier. Seitdem sind in meiner Zuckerdose Zuckereier zur Freude der Enkel. Im Laufe des Jahres werden sie genascht, aber immer wird gefragt und gerecht verteilt. Ostern wird wieder aufgefüllt, das wird immer schwieriger, denn diese einfachen Zuckereier sind für unsere Zeit offenbar zu einfach, es gibt sie nicht mehr überall.

Für das BROT muss ich wohl keine Anregungen geben. Man holt beim Bäcker, der seit einigen Jahren am Sonntag offen hat, was einem an diesem Morgen zusagt. Für mich gehört Vollkornbrot zum Frühstück, für die Enkel Croissants. Lecker ist das aufzubackende Knoblauch-Kräuterbaguette. Mehrkornbrötchen, Ciabattabrote, Baguette gibt es frisch oder zum Aufbacken. Kleine Pizzen, Quiches, Gemüsebrätlinge und Schinkenhörnchen sind Bereicherungen.

WURST: Baguettesalami, Pfeffersalami, Leberwurst, Mortadella, ab und zu Weißwürste mit süßem Senf.

SCHINKEN: Gekochter und roher Schinken, hauchdünn geschnittener Parmaschinken ist am besten. Rührei mit Bacon, zur Pilzzeit nehme ich gerne noch ein paar Pfifferlinge dazu. Melone mit Schinken, Spargel mit Schinken.

KÄSE: Gouda in allen Altersstufen, Parmesan, Edamer, Emmentaler, Brie, Gorgonzola, Schafskäse, Topfen mit Schnittlauch. Michael und ich essen gerne Käse, Arianna liebt Parmesan und Gouda, die anderen Familienmitglieder essen lieber Wurst und Schinken. Und Käse mit starkem Geruch darf ich gar nicht auf die Platte legen.

SCHMALZ gibt es bei mir in der kalten Jahreszeit. So um Weihnachten herum mache ich selbst aus 2/3 Gänsefett, 1/3 Schweinefett, Äpfeln und Zwiebeln diesen sehr beliebten Brotaufstrich.

OLIVEN: mit und ohne Kerne, große, kleine, grüne, schwarze, mit Mandeln oder Knoblauch gefüllte Oliven, eingelegte Tomaten, rote, grüne, milde, scharfe, mit Schafskäse gefüllte Peperoni, eingelegten Schafskäse. Diese Köstlichkeiten gibt es nur bei schönem Wetter, wenn ich am Samstag mit dem Fahrrad zu Freisingers auf den Viktualienmarkt fahren kann.
Fisch jagt Fischer © 1985 M. Stoewer
FISCH: Lachs und Forelle mit Sahnemeerrettich, Krabben, Heringshappen und andere Fischsalate.

FLEISCH: Fleischpflanzerl, Schweinefilet aufgeschnitten mit Thunfischsoße, gebratene, aufgeschnittene Hühnerbrust.

GEMÜSE: gedünstete Paprika, Zucchini, Auberginen und Zwiebeln.

SALATE: Ein großer Salatteller muß sein, davon bleibt selten etwas übrig – Feldsalat, Rucola, Romanasalat mit Tomaten, Avocado und Mozzarella oder Feta. Hühnersalat, Waldorfsalat ( Apfel, Sellerie, Ananas , Mayonnaise, Walnüsse).

SÜSSSPEISEN: Vanillejoghurt mit Knuspermüsli, Himbeerquark, Schokoladenpudding, Rote Grütze.
Schokoladenpudding © 1989 / 2008 M. Stoewer
KUCHEN: warmer Käsekuchen mit Sahne, Zitronenkuchen, Zitronenschnitten, Mohnrolle, Kirsch- oder Apfelstreuselkuchen, Muffins.

Viel Spaß bei der Auswahl!


REZEPT DES TAGES

JedenTag eine neue Idee! Heute:
FLEISCHPFLANZL - BULETTE - KLOPS - FRIKADELLE
Einfaches, aber vom normalen Speiseplan nicht wegzudenkendes Fleischgericht.
Rezept aufrufen.

KUCHEN DER WOCHE

Jeden Montag neu!
Diese Woche:
NUSSKUCHEN 1
Freestyle Rührkuchen mit variablem Nussanteil.
Rezept aufrufen.


Neue Rezepte:

INGWERPLÄTZCHEN

Weihnachtsplätzchen mit aromatischer Wurzel.

Hier
gehts zu den leckeren Ingwerplätzchen.


Weihnachtszeit ist Plätzchenzeit:


Neu bei
ULLAS ALLERLEI:

Fast schon eine eigene Rezeptesammlung:

Familie, Frühstück und ein runder Tisch mit einem Durchmesser von 1,35 Metern.

1000 und eine köstliche Anregung zu einem ausgedehnten Frühstück für die ganze Familie und oder den Freundeskreis.
Hier
geht es zum Frühstück.